Das Böse agiert auch im Paradies

vor etwa 12 Stunden

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Bildquelle: Tichys Einblick

Die Paradiesgeschichte am Anfang der Bibel enthält eine faustdicke Überraschung: Das Paradies ist nicht frei vom Bösen. Plötzlich erscheint inmitten des Paradiesgartens die Schlange, die „listiger als alle Tiere auf dem Felde“ war (1. Mo 3,1), und treibt ihr Unwesen mit den Archetypen des Menschseins, Adam und Eva. Darauf schienen die beiden Paradiesverwöhnten nicht vorbereitet zu sein. Gefahr nicht erkannt, Gefahr nicht gebannt. So wurden die beiden prompt kalt erwischt von der attraktiven Versuchung, als Mensch vermeintlich die vollendete göttliche „Erkenntnis von gut und böse“ erlangen zu können (1. Mo 3,5). Die Schlange hatte leichtes Spiel mit ihnen.

Es scheint eine Strategie des Bösen zu sein, Menschen in paradiesischer Sicherheit zu wiegen. Damit sind alle Abwehrkräfte gegen das Böse ausgesetzt. „UnsereDemokratie“ ist so ein Paradiesgärtlein: „Wir sind die Guten. Von den Bösen da hinten sind wir durch die Brandmauer getrennt.“ In dieser fatalen Paradiesillusion merken die Vertreter von „unsererDemokratieTradeMark“ gar nicht, in wie vielen Bereichen die Demokratie in Deutschland bereits schweren Schaden genommen hat – ganz ohne die AfD.

Da ist das Paradiesgärtlein „Vereinte Nationen“. Die UNO sei ein universales Bollwerk gegen allen Nationalismus; von da könne doch nichts Schlechtes kommen. Und so hat man keinen Blick dafür, wie die Schlange in diesem Paradiesgärtlein ihr Unwesen treibt; etwa in dem Pandemievertrag der WHO, im UN-Migrationspakt oder in der Terrornähe der UN-Flüchtlingsorganisation für Palästina (UNRWA).

Ich freue mich, dass beim Paradiesmythos „Europäische Union“ mittlerweile Ernüchterung einziehen konnte. Die jetzige bürokratische, zentralistische, korruptionsanfällige, hinterzimmerdemokratische Form der EU wird mittlerweile von immer mehr Menschen als Schlangenbrutstätte erkannt, die sich unter dem Paradiesmysthos „Friedensprojekt Europa“ ihre Bestandssicherheit und Kritikresistenz erschlichen hat. Und so wächst die Erkenntnis: „Dieses fetischhafte Europagerede der EU ist keine Politik für den Bürger.“

Viele Medien finden in dem grünen Halbgott Robert Habeck ihr Paradiesgärtlein. Er sei seiner Zeit weit voraus und sein Abschied würde eine fatale Charisma- und Visionslücke hinterlassen. Der Schlange wird diese Huldigung, Verklärung und Idolisierung gefallen, die Habecks ruinösen Defizite ausblenden, die dadurch umso gefährlicher und nachhaltiger weiterwirken können.

Manche hatten auch von der Kirche so ein Paradiesgärtlein erwartet, in dem es keine Schlange gibt. Nicht erst mit den schrecklichen Missbrauchsskandalen fiel diese Illusion zusammen.

Jesus Christus war da durchaus realistischer: Er wusste, dass unter seinen 12 Jüngern, mit denen die Kirche begonnen hat, ein Judas war, der ihn mit einem Kuss verraten sollte (Matthäus 26,48 f); er wusste, dass unter seinen Jüngern ein „Fels“ war, der ihn dreimal verleugnen sollte (Matthäus 26,69-75); und Jesus wusste, dass in seiner Kirche ein Petrus, Jakobus und Johannes waren, die allesamt einschliefen, als er sie bat, mit ihm in der schwersten Stunde seines Lebens im Garten Gethsemane zu wachen (Matthäus 26,36-46). Die Kirche ist uns von Jesus niemals als schlangenloses Paradies verheißen worden.

Es ist so wichtig und hilfreich, dass wir uns unser(e) Paradiesgärtlein im Leben schaffen: Familie, Freundeskreis, ein Hobby, eine Gemeinschaft des Glaubens, einen Verein, eine Partei und eine Heimat, der wir uns zugehörig fühlen. Aber in allem sollten und müssen wir mit der Schlange rechnen, denn das Böse als erste allgemeine Verunsicherung ist immer und überall. Sogar in der Partei „Die Grünen“, obwohl die Grünen sich oft als Vertreter der reinen Wahrheit präsentieren. Und selbst in der Partei „Werte-Union“ geht nicht immer alles werteorientiert zu.

Die Erkenntnis, dass auch unsere Paradiesgärtlein nicht ohne Schlange sind, hilft mir zweifach:

Erstens: Ich reduziere Erwartungen. Ich erwarte von keinem Menschen, von keinem Arbeitgeber, von keiner Partei und von keiner Institution fehlerfreie oder schlangenlose Reinheit. Mittlerweile gibt es wohl kaum noch einen Skandal, der mich erschüttern könnte. Auch das Paradiesgärtlein meines eigenen Seelenlebens gibt es nicht ohne Schlange. Diese Erkenntnis macht mich entspannter und gelassener mit den dunklen Seiten in mir und in anderen und in Institutionen.

Zweitens: Ich bin wachsam und achtsam. Selbst in den schönsten Paradiesgärten bin ich konstruktiv auf der Hut vor Schlangen und ihren Verführungskünsten. Sicherlich bin ich kein Schlangenheld. Aber eine gewisse Vorsicht und Kritikfreundlichkeit auch gegenüber allem, was mir lieb und teuer und wertvoll ist, hat mich vielleicht schon vor der einen oder anderen Dummheit bewahrt.

„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“, lehrt Jesus die Christen zu beten (Matthäus 6,13). Diese Passage macht das Vaterunser nicht zum Gebet von Superhelden, denen das Böse nichts mehr anhaben kann. Das ist das Gebet von Menschen, die um ihre Schwachheit wissen und die erkannt haben, dass es ein schlangenloses Paradiesgärtlein nur im christlichen Gott selber gibt.

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