Die Unverbesserbaren

vor etwa 6 Stunden

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Bildquelle: Tichys Einblick

Morgen vor zehn Jahren, am 31. August 2015, schnodderte Merkel ihren unsterblichen Spruch über die Rampe: Wir schaffen das. Es ist die prägnante Formel der deutschen Misere: Hybris mal Unbelehrbarkeit ist Abstieg. Ebenfalls in dieser Woche zieht Heulsuse Habeck, der ehemalige Cheftransformator, Deindustrialisierungsminister und Kanzler der Herzen endgültig von dannen, verlässt den Bundestag und damit den an seiner Grandiosität gescheiterten Politikbetrieb. Habeck und Merkel haben mehr gemeinsam als den Deutschen lieb sein sollte.

Unverbesserlich ist, wer praktisch alles falsch macht, aber nach gründlich getaner Zerstörung immer noch glaubt, alles richtig gemacht zu haben. Das gilt für beide. Merkel wurde erwartungsgemäß von der ARD hofberichterstattungsmäßig abgefeiert („Merkels Erbe. Zehn Jahre `Wir schaffen das´. Witzigerweise lief im ZDF-Gegenprogramm die Komödie `Unsere besten Jahre´) Vor Adenauerporträt und Bundesflagge – mental quasi noch immer im Amt – gestattete sie sich nicht den leisesten Hauch von Skepsis oder gar Selbstkritik. Habeck zelebrierte seinen Rücktritt als Volksvertreter in der taz mit unnachahmlicher Selbstherrlichkeit. Volk, Parlament und Partei waren ihm einfach nicht gewachsen. Unverbesserlich ist etwas anderes als unverbesserbar. Das sind die beiden auch. Perfekte Wunderwerke absoluter, nicht mehr steigerbarer Selbstverstiegenheit. In sich komplett. Hätten sie sich jemals in Zweifel gezogen, hätten sie sich entlarvt. Habeck stellte zwar – außer sich selbst – ständig in Frage: Es war seine Methode, sich quasi beim Denken zuhören zu lassen und den Hohlraum mit Schönklang zu füllen. An Merkels Worten dagegen war nichts schön. Dafür prallte alles an ihren Teflonsätzen ab.

Beide waren meisterhafte Illusionisten. Merkel galt dank Herkunft und Gesinnung als Vollendung der inneren Einheit, war aber in Wahrheit die Heimzahlung für das Ende der DDR und insofern eine Heimsuchung. Habeck deklarierte Ökosozialismus um zur bürgerlichen Mitte. Und bis zum heutigen Tag ist dies Grundlage auch der neuen rot-schwarzen – in Wahrheit grünen – Politik. Beide bewirkten einen Kahlschlag der Vernunft. Sie waren Schwester und Bruder im Scheitern – bekamen es aber hin, dieses Scheitern als Sieg der Moral feiern zu lassen. Ihr Scheitern entströmte der selben Quelle: Beide hielten Realpolitik für unhygienisch, wahrscheinlich, weil sie insgeheim fühlten, dass die Wirklichkeit sie überforderte. Beide teilten das Ziel: dieser Republik auch das geistige Fundament zu nehmen, nicht bloß das ökonomische. Die Mittel dafür unterschieden sich: Bei der einen war es die Willkommenskultur, beim anderen die Energiewende.

Das haltlose Pathos Habecks korrespondierte auf subtile Weise mit der Kartoffelsuppenprosa Merkels. Blühender Blödsinn hier, schauerliche Sprachdürre dort. Zwei aus der intellektuellen Tiefebene, wenn sie auch auf unterschiedliche Weise davon ablenkten. Der eine jammerte über die Zumutungen seines Amtes („Heute Morgen habe ich Müsli mit Wasser gegessen, ohne Scheiß“) und wollte für seine Entbehrungen bewundert werden. Der anderen genügte, dass sie sich selbst bewunderte, und ödete ihre Widersacher in den Tiefschlaf („asymmetrische Demobilisierung“). Beide bewirkten auf unterschiedliche Weise eine weitgehende Entpolitisierung der Politik. Zwei Seiten derselben Arroganz.

Ein erheblicher Teil der Bevölkerung hat die beiden mit Inbrunst verehrt. Stets waren sie umringt von andächtigen Jünger_*innen. Der eine umgab sich im Ministerium mit talentlosen Radikalen, die andere mit radikalen Opportunisten. Und beide hielten sich für die Apotheose des Staats. So ist der Aufstieg dieser beiden Figuren auch ein untrügliches Symptom für die Krankheit der politische Klasse und die Schwäche der Demokratie in diesem Land. Für ihre substanzlose Performance wurden sie von den verwöhnten Kindern der ehemaligen Leistungsgesellschaft geachtet. Zwei Meister der Verblendung und Selbstverklärung trugen ihre Nasen hoch über den Bedürfnissen der normalen Deutschen, für die sie sich nie sonderlich interessierten. Von ihnen wurden sie zunehmend verachtet. Sowohl die Habecksbürger – die neuen Spießbürger – wie auch die Masse entkoffeinierter Konformisten sahen in ihnen Leitfiguren. Für freiheitsliebende Bürger bleiben beide ein Albtraum.

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