Fratzscher: Die Ablehnung eines Pflichtjahres für Rentner sei „komplette Realitätsverweigerung“

vor etwa 8 Stunden

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Marcel Fratzscher hatte vor einer Woche ein verpflichtendes soziales Jahr für alle Rentner gefordert. „Die ältere Generation muss sich stärker einbringen, beispielsweise im Sozialbereich, aber auch bei der Verteidigung“, hatte er im Interview mit dem Spiegel gesagt. Für diesen Vorschlag habe er viel Kritik von älteren Menschen bekommen, wie er am Freitagabend bei einer Veranstaltung in Berlin erzählte. Er habe innerhalb von zwei Tagen 2.000 E-Mails bekommen, sagte er laut Welt.

Nur etwa zehn Prozent hätten seinen Vorschlag begrüßt. „Die meisten sagen, ich habe mein Leben lang hart gearbeitet, jetzt soll ich noch mehr tun?“ Er könne den Reflex nachvollziehen, wenn es eine Welt ohne Kriege, Klimakrise oder soziale Krisen gäbe. „So aber überrascht mich die komplette Realitätsverweigerung immer wieder.“ Er sagte, dass es ihm ernst mit dem Vorschlag sei. Zwar seien viele Rentner schon ehrenamtlich tätig, doch brauche es noch mehr. Das soziale Pflichtjahr könnte auch in Teilzeit möglich sein.

Solidarität sei keine Einbahnstraße. Es brauche auch die Bereitschaft der Babyboomer. Auf die Frage der Moderatorin, ob er nicht die Generationen gegeneinander ausspiele, antwortete der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung: „Überhaupt nicht“. Zahlreiche Rentner würden sich eine Rolle in der Gesellschaft wünschen.

Bei der Veranstaltung stellte er sein neues Buch „Nach uns die Zukunft“ vor und führte mit Luisa Neubauer ein Gespräch. Die Klimaaktivistin bezeichnete Fratzschers Vorschlag als „wahnsinnig gute Idee“. Sie habe die Idee „romantisch“ gefunden. Denn oftmals hätten ältere und jüngere Menschen nur noch wenig Kontakt zueinander. „Vor allem dachte ich aber, vielleicht kommen wir mal wieder ins Gespräch und erleben, dass wir füreinander da sein können.“

Denn alte Menschen würden oft unter Vereinsamung leiden. Weiter führte sie aus, dass es eine Ehre sei, wenn viele Menschen wegen etwas „Dahingesagtem ausrasten“ würden. „Das weist dich als sehr mächtigen Menschen in diesem Land aus“. Zum Ende der Veranstaltung kam Neubauer noch einmal auf Fratzschers Vorschlag über das soziale Pflichtjahr zurück: „Stellen wir uns vor, was passiert wäre, hätte nicht ein mittelalter Mann diesen Vorschlag gemacht, sondern eine junge aktivistische Frau, dann wäre die Hölle ausgebrochen. Deswegen brauchen wir genau diese Stimmen“.

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