
Nach einer dramatischen Wende in den Ermittlungen hat die Polizei in Niedersachsen einen 31-jährigen Iraker festgenommen, der im Verdacht steht, eine 16-jährige Jugendliche am Bahnhof Friedland vorsätzlich in den Tod gestoßen zu haben. Das Mädchen war vor rund zwei Wochen von einem einfahrenden Güterzug erfasst und tödlich verletzt worden. Zuerst hatte Bild über den Fall berichtet.
Ursprünglich hatten die Behörden von einem tragischen Unfall ausgegangen, doch nun sprechen eindeutige Spuren gegen diese These. Die Staatsanwaltschaft Göttingen teilte am Freitag mit, dass an der rechten Schulter der Verstorbenen DNA-Spuren des Beschuldigten gefunden wurden. Diese Entdeckung hat den Fall auf den Kopf gestellt: Der Mann wird nun beschuldigt, die Teenagerin absichtlich vor den Zug gestoßen zu haben. Die Ermittler gehen von einem Totschlag aus.
Die Staatsanwaltschaft Göttingen geht nun von Totschlag aus.
Der Iraker, dessen Asylantrag bereits im Dezember 2022 abgelehnt worden war, hätte seit März 2025 nach Litauen abgeschoben werden können, berichtet Bild. Demnach sei ein Antrag auf Abschiebehaft jedoch im Juli 2025 vom Amtsgericht Hannover abgelehnt worden. In der Zwischenzeit hatte der 31-Jährige eine Ersatzfreiheitsstrafe verbüßt und sich anschließend erneut in Friedland als Asylbewerber gemeldet.
Kurz vor dem tödlichen Vorfall war die Polizei wegen eines randalierenden Mannes zum Bahnhof gerufen worden. Vor Ort trafen die Beamten auf drei Personen, darunter den späteren Verdächtigen. Dieser führte die Polizisten zu einem Bahnsteig, wo die Jugendliche bereits leblos lag. Der Iraker bestritt jede Beteiligung an einer Tat. Ein freiwilliger Alkoholtest ergab 1,35 Promille. Da zu diesem Zeitpunkt keine konkreten Beweise vorlagen, wurde er zunächst freigelassen.
Der Durchbruch kam durch die forensischen Untersuchungen: Vor dem Ermittlungsrichter machte der Beschuldigte von seinem Schweigerecht Gebrauch. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ das Gericht einen Unterbringungsbefehl wegen Totschlags – der Mann sitzt nun in einer Psychiatrie statt in Untersuchungshaft.
Der Staatsanwaltschaft zufolge zeigte der Verdächtige am Tattag psychische Auffälligkeiten. In der Vergangenheit war bei ihm eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert worden. Ob er bei einer möglichen Verurteilung eine reguläre Freiheitsstrafe verbüßen oder dauerhaft in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden müsste, bleibt vorerst offen.
Vor der Ermittlungswende hatte die Polizei vor Spekulationen in den sozialen Netzwerken gewarnt. So hatte etwa der AfD-Kreisverband Eichsfeld die Unfallthese angezweifelt und einen Mord in den Raum gestellt. Die Familie der Verstorbenen wandte sich laut NDR an mehrere politische Parteien, um Unterstützung bei der Aufklärung zu erhalten.