
Bei Lanz nur ein Ex-VW-Chef Herbert Diess, der mit seiner Elektrostrategie einen ganzen Konzern an die Wand gefahren hat. Bei Maischberger eine Sahra Wagenknecht, die nach Wochen in der Versenkung erstmals wieder spricht. Bei Lanz eine Heidi Reichinnek, die neuerdings überall hochgejazzte angeblich „beliebteste Politikerin Deutschlands“, bei Maischberger die Klima-Ballerina Luisa Neubauer, die immerhin adrett ausschaut, und wenn sie was sagt, kann man ja stummschalten.
Im direkten Vergleich hat Markus Lanz also eindeutig die (noch) langweiligere Liste. Selbst bei den Journalisten zieht er den Kürzeren: Bei ihm ist ZDF-USA-Korrespondent Elmar – „Joe Biden ist geistig topfit“ – Theveßen, bei Maischberger Paul „Lord Helmchen“ Ronzheimer (Bild). Okay, die beiden sind in etwa eine Liga. Aber: Lanz hat zusätzlich noch Melanie Amann sitzen, die stets mürrische Spiegel-Redakteurin, die ihre eigene Stadt nicht kennt. Ein glasklarer Minuspunkt. Nicht einschalten!
Oder doch? Eines steht jedenfalls fest: Nächstes Mal wählen wir auf jeden Fall Lanz. Selbst wenn dort Meister Proper und der Mann von der Hamburg-Mannheimer sitzen. Grund: Wie Sandra Maischberger mit ihren Gästen umgeht, ist einfach unerträglich unprofessionell.
Eine Stunde fuffzehn kann sie einfach nicht an sich halten. Jeder soll spüren, wen sie mag und wen nicht. Eine Luisa Neubauer darf reden und reden und reden, nur weil sie einen Abschluss in Geschwätzeswissenschaften hat. Mit geradezu mütterlicher Sanftmut wirft Maischberger kurze Kommentare ein oder stellt vorsichtige Nachfragen. Und Neubauer? Fährt das grüne Früh-Wahn-System hoch und rattert runter, was das Studium der Wirrologie eben so hergibt: „Wir sehen die Bilder vom Rhein, wie die Schiffe nicht mehr voll beladen werden können. Wir haben die Bilder im Kopf vom Bodensee, der austrocknet. Du und Deine Regierung, Ihr guckt auf die heißeste Legislaturperiode, die wir jemals haben werden in der Bundesrepublik.“
Mit „Du“ meint sie Philipp Amthor, den frühkorrumpierten CDU-Profigrinser. Der hat es schon deutlich schwerer bei einer Maischberger. Was er denn „der Luisa“ sagen würde, um sie zu überzeugen, will Mutter Maischberger wissen. Amthor setzt sein verknorxtes Schwiegersohn-Lächeln auf, das schon bei den Seniorinnen in seinem Wahlkreis nicht mehr so recht zünden will (er holte 19,9 Prozent, der AfD-Kandidat 45,2 Prozent) und sagt:
„Die Luisa zu überzeugen, ist ein steiniger Weg.“ Dabei schmunzelt er so süffisant wie es eben geht mit der Attitüde eines Greises. Höhö, äh, hö.
Amthor hat es ohnehin nicht leicht an diesem Abend. Einerseits ist er er selbst, andererseits muss er mal wieder den verschlissenen Merz-Mantel aufbürsten, indem er wacker die vielen gebrochenen Wahlversprechen negiert („geht es darum, den Politikwechsel nicht nur anzukündigen, sondern das, was wir vor der Wahl versprochen haben, danach auch umzusetzen“). Und dann muss er noch die Aussagen eines Jens Spahn verteidigen, der einen normaleren Umgang mit der AfD fordert. Dabei setzt sich Amthor gleich wieder in die Nesseln. Er spricht von „uns, einer bürgerlich-konservativen Partei“. Ja, hat er denn noch immer nicht gehört, was NRW-Landesvater Hendrik Wüst schon vor Ewigkeiten sagte? Die CDU war nie, nie niemals konservativ! Gut, bei dem, was die Partei mittlerweile so macht und tut und tönt, kann man schonmal durcheinander geraten. Also nachsitzen, Amthor!
Fernsehkoch Christian Rach darf dafür minutenlang über gesundes Essen ohne Fleisch palavern, nur weil Markus Söder in einem Einspieler die Grünen der „Tofu-Tümelei“ bezichtigte. Zusammen mit der woken Autorin Laura Kipfelsberger (ARD Y-Kollektiv) kocht Rach daraus sogar einen „Kulturkampf“. Da wird es sogar Lord Helmchen zu heiß am Herd: „Ein Tofu-Spruch von Söder ist noch lange kein Kulturkampf.“
Auf diesem Niveau geht es eine ganze Weile. Zum Beisipel bei der Frage, warum die neue Regierung sich unbedingt vertragen muss. Rach droht brav mit der AfD-Keule, denn „die wedelt natürlich am Horizont ganz gewaltig, und wenn die das nicht hinbekommen, dann gute Nacht“. Brav, Herr Rach, das gibt nachher bestimmt einen Extra-Pudding am Studio-Buffet.
Bevor Sahra Wagenknecht als Hauptgast des Abends zum Einzelgespräch antreten darf, bekommt sie von Lord Helmchen gleich noch einen eingeschenkt: „Mich wundert, dass Frau Wagenknecht noch nicht zurückgetreten ist oder ‘ne neue Partei gegründet hat. Denn ‘ne größere Demütigung als das, was dort in Thüringen passiert ist, hätte es ja nicht geben können. Die politische Logik wäre eigentlich: Die Politkarriere ist zu Ende.“
Das Gespräch selbst gleicht eher einem Verhör. Wagenknecht kann kaum einen Gedanken zu Ende bringen, ohne dass ihr Maischberger permanent in die Parade fährt. Als sie beispielsweise erzählt, dass sie das Wahlergebnis überprüfen lassen will, was eine Weile dauern wird, sagt Wagenknecht eher nebenbei: „Das gibt uns jetzt ein gutes Jahr.“ Wahrlich kein Satz von besonderer Bedeutung, aber die folgenden Minuten werden dennoch zur Qual. Für Wagenknecht und für den Zuschauer. Maischberger fragt „Was meinen Sie mit: Das gibt uns noch ein Jahr?“ Wagenknecht kann sich nicht einmal daran erinnern, dass sie den Satz gesagt hat. Doch egal, was sie nun antwortet, ständig fragt Maischberger nach: „Sie haben es doch gesagt.“ – „Sie haben gerade gesagt: Das gibt uns noch ein Jahr.“ – „Was meinen Sie damit?“ Satte fünfmal hakt Maischberger nach, unterbricht, nervt, zerstört jeden Versuch einer Antwort.
Nur mit Mühe kann Wagenknecht loswerden, worum es ihr ging: „Es kann nicht sein, dass eine Partei offiziell an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert, obwohl sie eigentlich mehr als fünf Prozent der Stimmen hat.“ Es habe offenbar „systematische Zählfehler“ gegeben. Doch das jetzt anstehende Verfahren sei absurd. Wagenknecht: „Ich finde es schon fragwürdig, dass man beim Bundestag beantragen muss, dass der zustimmt, dass quasi seine Existenzgrundlage überprüft wird.“
Jetzt zeigt Maischberger, dass es ihr um Inhalte überhaupt nicht geht. Sie bügelt die Sache hastig weg: „Absolut, das wird überprüft.“ So als sei das längst entschieden. „Wir hoffen, dass es überprüft wird“, korrigiert Wagenknecht.
Die Parteichefin gesteht Fehler ein: „Ich glaube, dass wir in Thüringen Vertrauen verloren haben und Vertrauen verspielt haben, weil wir Dinge nicht eingelöst haben.“ Egal, ob es um „Windräder im Wald“ gehe oder um die Corona-Aufarbeitung. Sie habe mehr als tausend Mails bekommen mit Aussagen wie: „Ich habe mir das von Ihnen versprochen, und jetzt wähle ich Sie nicht mehr.“ Das scheint sie sehr getroffen zu haben.
Noch dieses Jahr werde das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ einen neuen Namen bekommen. Sie selbst werde sich aber erst zurückziehen, wenn Sie die Partei auf einem guten Weg sieht. Oder „wenn wir bei drei Prozent stehen“.
Das BSW sei nach wie vor wichtig, denn die Anliegen seien dieselben. Wagenknecht: „Die Frage ist ja nicht Tofu oder Hackbraten, die Frage ist Krieg oder Frieden.“
Oder, wie Maischberger wohl sagen würde: Absolut, Frieden wird überprüft. Aber was meinen Sie nochmal mit „Das gibt uns noch ein Jahr“? Das haben Sie doch gesagt. Sie haben es gesagt!