
Die Niederlande trauern um Lisa. Die 17-Jährige aus dem Amsterdamer Stadtteil Abcoude wurde am frühen Morgen des 20. August auf dem Heimweg von einem Asylbewerber niedergestochen. Der Täter floh vom Tatort. Der Vorfall spaltet die niederländische Gesellschaft und eröffnet die Migrationsdebatte erneut. NIUS reiste nach Amsterdam und verschaffte sich vor Ort einen Eindruck.
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Noch kurze Zeit vor dem grausamen Verbrechen verbrachte Lisa die Nacht mit ihren Freunden am belebten Leidseplatz, mitten in Amsterdam. Gegen 3:30 Uhr fährt sie mit ihrem E-Bike wie so oft Richtung Heimat Abcoude, weil sie, statt ein Taxi zu nehmen, ihr Fahrrad nicht in der Stadt stehen lassen möchte. Doch dieses Mal kommt sie nicht an. Unweit des Amsterdamer Fußballstadions wird sie von ihrem späteren Mörder verfolgt. Lisa ruft noch die Polizei, doch kurz darauf bricht die Verbindung ab. Als die Beamten eintrafen, finden sie ihre Leiche in einem Graben. Ihr Hals ist mit Stichwunden übersät.
Hier am Leidseplatz verbrachte Lisa die Nacht mit ihren Freunden.
Das öffentliche Entsetzen, die Anteilnahme ist groß. Fußballfans, die das Spiel zwischen Ajax und Heracles Almelo verfolgen, in eben jenem Stadion, in dessen Nähe Lisa tot aufgefunden wurde, erheben sich nach 17 Minuten, passend zu Lisas Alter, legen eine Schweigeminute ein, das ganze Stadion applaudiert im Gedenken an Lisa. Auch in ihrem Heimatort Abcoude, in dem sie mit ihren Eltern lebte, wird tief getrauert, Kerzen und Blumen erinnern an Lisa.
Die Anteilnahme im Land ist sehr groß.
Der Verdächtige, der zuvor bereits durch sexuelle Übergriffe aufgefallen war, wurde am Tag nach dem Verbrechen in einem Amsterdamer Asylbewerberheim festgenommen. Bis heute schweigen die Behörden zu seiner Herkunft. In den sozialen Medien kursieren Aussagen der Heimbewohner, er stamme aus Nigeria, wiederum andere Stimmen sagen ihm eine eritreische Herkunft nach.
Der Mord entfacht eine politische Debatte. Während die Linken den Mann im allgemeinen verantwortlich machen, sehen andere die Einwanderungspolitik der vergangenen Jahre als Ursache. Betroffen fühlen sich vor allem Frauen. Sie berichten von wachsender Angst, sich nachts allein auf der Straße zu bewegen. Unter dem Motto „Wij eisen de nacht op“ – „Wir fordern die Nacht zurück“ – wird inzwischen landesweit protestiert.
Der Schock sitzt tief, die niederländische Gesellschaft wirkt gespalten. Dem Land drohen womöglich unruhige Zeiten.