
„Wir müssen nicht darüber diskutieren, ob die Impfung die Übertragung unterbricht. Wir haben die Daten“, verteidigte Virologe Christian Drosten die Corona-Impfung am gestrigen Donnerstag bei seinem Auftritt im sächsischen Corona-Ausschuss, zu dem er bereits das zweite Mal geladen war, wie dpa berichtet. Bei seinem Auftritt verteidigte der Virologe darüber hinaus weitere Maßnahmen, die während der Corona-Pandemie von der Politik getroffen wurden.
Einen Seitenhieb teilte Drosten gegen seinen Virologenkollegen und mittlerweile CDU-Bundestagsabgeordneten Christian Streeck aus. „Manche Wissenschaftler und deren Aussagen waren parteipolitisch motiviert. Mit Blick auf eine politische Karriere.“ Streeck, der mit der damaligen Heinsberg-Studie bekannt wurde, setzte sich im Laufe der Pandemie immer wieder für Lockerungen ein. So schlug er beispielsweise vor, im Sommer 2020 die Maßnahmen zu lockern, um mehr Infektionen zuzulassen und dadurch die Immunität der Bevölkerung zu erhöhen. Drosten hob in seiner Anhörung hervor, dass er eine solche Durchseuchung am Anfang der Pandemie als völlig falsche Strategie ansah.
Die Medien kritisierte Drosten für eine verkürzte Darstellung in der Pandemiezeit. Diesen wirft er vor, damaligen wissenschaftlichen Minderheitsmeinungen Gehör geschenkt zu haben und dadurch den falschen Eindruck erweckt zu haben, dass beide Meinungen gleichermaßen in der Wissenschaft vertreten seien. Dadurch sei eine „Scheinkontroverse“ entstanden. Konkret nannte er als Beispiel, dass behauptet wurde, dass Kinder kein Treiber der Pandemie seien. Stattdessen waren seiner Auffassung nach alle Altersgruppen gleich betroffen.
Für Drosten wird es voraussichtlich nicht der letzte Auftritt vor dem Ausschuss sein, den die AfD initiiert hat. Das BSW fordert, dass Drosten ein drittes Mal in den Ausschuss kommt. „Viele Menschen in Sachsen haben das Vertrauen in die damaligen Corona-Entscheidungen verloren. Umso wichtiger ist es, dass wir heute die Entstehung dieser Maßnahmen lückenlos nachvollziehen“, sagte die BSW-Abgeordnete Ines Biebrach im Ausschuss. Der Virologe hat während der Corona-Pandemie die Bundesregierung beraten und sich auch mit Auftritten in diversen Medien und unter anderem einem eigenen Podcast selbst in den Vordergrund gespielt.